Boss Fighters QR (Michael Palm und Lukas Zach, Pegasus)
Moon Colony Bloodbath (Donald X. Vaccarino, Alea)
News, Tests und Kritiken zu Computerspielen, Brettspielen, Comics, Filme und Serien.
Martin Ang | 3 bis 7 Personen | ab 10 Jahren
Drei Dinge, die man im Gesicht trägt: Ganz klar: Bart, Brille – und Hochmut. Oder? Bei „Dito!“ versuchen wir, die Assoziationen unserer Mitspielenden zu erahnen. Übereinstimmungen werden belohnt; Extrapunkte gibt es, wenn genau eine andere Person denselben Begriff notiert hat. Die gefundenen Begriffe wollen wir in ein neun Felder großes Raster eintragen und dort Reihen und Spalten abhaken. In jeder Runde wird eine von zwei Kategorien auf der Aufgabenkarte gewählt – von „Länder mit guter Küche“ bis zu „Dafür würden Menschen ihre Seele verkaufen“. Obwohl gegeneinander gespielt wird, kann nur gewinnen, wer sich gut auf die Assoziationswelten der anderen einlassen kann.

Begründung der Jury:
Auf den ersten Blick ist „Dito!“ ein Wettkampf um die meisten Punkte. Im Kern verbindet es uns aber als Gruppe, denn nur über das richtige Erahnen von Gemeinsamkeiten sind wir selbst erfolgreich. Nebenbei lernen wir unsere Mitspielenden besser kennen. Wissen ist nicht gefragt, sondern Verständnis für die Sicht der anderen – und ein taktisches Gespür für die beste Platzierung der Begriffe.
Ebenfalls nominiert:
Cozy Sticker Ville (Corey Konieczka, Unexpected Games)
Morty Sorty Magic Shop (Markus Slawitscheck, Schmidt)
Zwei Kartenstapel – zwei Spielende. Zug für Zug zwei Entscheidungen: Die linke oder die rechte Karte? Die Vorder- oder die Rückseite? Auf jeder Karte finden die Kinder traumhaft illustrierte Mookies aus einer von fünf Familien. Wählen sie das Pflanzen-Mookie, das Fossil-Mookie oder doch das Sonnen-Mookie? Die gewählte Karte kommt auf den eigenen Stapel – mit dem gewählten Mookie nach oben. So geht es hin und her, bis einer der Stapel leer ist. Wer nun von einer Familie die meisten Wesen gesammelt hat, erhält deren Trophäe. Doch Vorsicht – in der Auslage lauern auch Spinnen, die auf den gegnerischen Stapel gespielt werden. Wer von diesen am Ende die Mehrheit hat, verliert eine Trophäe. Ein flotter und stimmiger Wettstreit, mit der richtigen Prise Taktik.
Die Rückkehr der Muskelmänner: Ein Spagat zwischen Feuilleton und Fankult
Der He-Man-Reboot von Travis Knight hievt Nicholas Galitzine nach Eternia. Das Fantasy-Spektakel spaltet das Publikum: Während die Kritik mit der tonalen Unsicherheit hadert, feiern Enthusiasten eine triumphale Wunscherfüllung.
Dass Hollywood in seiner ungebremsten Nostalgie-Verwertung vor rein gar nichts zurückschreckt, ist ein ungeschriebenes Gesetz der Gegenwart. Doch dass ausgerechnet Mattels archaischer Muskelprotz He-Man, der in den 1980er-Jahren primär als Vorwand zur Vermarktung von Plastikfiguren diente, nun abermals als Action- und Fantasy-Epos aufersteht, besitzt eine ganz eigene Dynamik. Regisseur Travis Knight unternimmt den gewagten Versuch, jener absurd überzeichneten Welt namens Eternia eine unerwartete emotionale Gravitas einzuhauchen.
Das Resultat ist ein faszinierend zweigeteiltes Werk. Einerseits liefert der Film optisch enorme Schauwerte. Wenn Prinz Adam – gespielt von Nicholas Galitzine, der hier das mächtige Zauberschwert schwingt – nach fünfzehnjährigem Exil auf der Erde in seine Heimat zurückkehrt, um Lord Skeletor vom Thron zu stoßen, erstrahlt das Set-Design in opulenter Pracht. Knight verlässt sich glücklicherweise auf haptische Kulissen und visuell durchdachte Welten statt auf sterile digitale Effekte.
Skeletor im Method-Acting-Wahn
Wo das Auge sich an den ausufernden Schwert-und-Magie-Choreografien sattsehen darf, wird der erzählerische Faden jedoch arg strapaziert. Das Skript, an dem gleich vier Autoren (darunter David Callaham) mitgewirkt haben, klaubt sich die Versatzstücke aus der eigenen Trash-Historie zusammen, ohne immer einen konsistenten, modernen Tonfall zu treffen.
Besonders deutlich wird dies bei der Besetzung des Antagonisten. Jared Leto, der Lord Skeletor verkörpert, pflügt mit einem derartigen Furor durch die Szenerie, dass das restliche Ensemble (darunter Camila Mendes und Alison Brie) streckenweise an den Rand gedrängt wird. Letos Interpretation des Totenkopf-Schurken schwankt unentschlossen zwischen Shakespearescher Tragödie und purer Camp-Ästhetik.
Lässt man den analytischen Zynismus jedoch vor der Kinotür und betrachtet das Spektakel rein als Fan, wandelt sich das Bild grundlegend. Wer als Kind mit Battle Cat durch das Wohnzimmer geritten ist und bei jedem Gewitter „Bei der Macht von Grayskull!“ rufen wollte, bekommt von Travis Knight genau jene bombastische Liebeserklärung serviert, auf die man jahrzehntelang gewartet hat.
Die vermeintlichen Schwächen des Drehbuchs verblassen dann rasch angesichts der schieren Detailverliebt- und Freude, mit der das ikonische Design von Castle Grayskull zum Leben erweckt wird. Aus dieser Perspektive passt selbst Jared Letos exaltiertes Overacting perfekt zu einem Schurken, der im Original schließlich ein schreiendes Skelett in lila Rüstung war. Knight liefert kein tiefschürfendes Programmkino, sondern eine laute, bunte und herrlich kompromisslose Zeitreise in die eigene Kindheit, die für Enthusiasten eine klare Höchstwertung rechtfertigt.
Wertung: 9 / 10
Kein Sherwood-Glamour, keine heldenhafte Umverteilung: Regisseur Michael Sarnoski dekonstruiert in "The Death of Robin Hood" den wohl berühmtesten englischen Volksmythos. Hugh Jackman glänzt in diesem bleischweren A24-Drama als gebrochener Mörder, der seiner eigenen Legende nicht mehr entkommen kann.
Wer bei Robin Hood unweigerlich an den charmanten Errol Flynn, an Kevin Costners popkulturellen Bogenschützen oder gar an unbeschwerte Strumpfhosen denkt, wird in Michael Sarnoskis Neuinterpretation eine abgründige Überraschung erleben. Der Regisseur, der bereits mit dem fabelhaften Trüffelschwein-Drama Pig bewies, wie man Erwartungshaltungen grandios unterläuft, setzt auch hier auf konsequente Entmythisierung. Sein Robin Hood (Hugh Jackman) ist kein edler Rebell, sondern ein vom Krieg gezeichneter, desillusionierter Zyniker.
Nach einem Leben voller Gewalt, das in einer brutalen, fast schon unerträglich rohen Eröffnungssequenz gipfelt, findet sich der gealterte Antiheld schwer verwundet wieder. Der Sherwood Forest ist hier kein romantischer Rückzugsort, sondern ein unwirtliches Fegefeuer, in dem die Geister der Vergangenheit lauern. Die erzählerische Fallhöhe ergibt sich nicht aus dem Kampf gegen einen fiesen Sheriff, sondern aus Robins Ringen mit den eigenen Taten. Die Geschichten über den Beschützer der Armen entlarven sich als nachträgliche Verklärung einer blutigen Realität.
Inszenatorisch wagt Sarnoski im zweiten Akt einen radikalen Bruch. Wenn die mysteriöse Schwester Brigid (Jodie Comer) den sterbenden Mann rettet und in ihre Obhut nimmt, wandelt sich der düstere Historienthriller zu einem meditativen Kammerspiel. Die opulenten Schauwerte weichen langen, exzellent geschriebenen Dialogen, in denen die Lebenslügen der Titelfigur seziert werden.
Hier wird der Film zu einer schauspielerischen Tour de Force. Hugh Jackman nimmt sich völlig zurück. Sein testosterongeladenes Auftreten aus Wolverine-Zeiten ist einem tiefen, resignierten Verfall gewichen – eine rohe, zutiefst verletzliche Darbietung, die zu den stärksten seiner Karriere zählt. Jodie Comer bildet dazu ein fulminantes moralisches Gegenwicht. Sie ist es, die dem Film in seiner erdrückenden Schwere emotionale Bodenhaftung verleiht. Auch die Bildsprache der A24-Produktion überzeugt: Die Kameraarbeit fängt die schmutzige, raue englische Landschaft in verblassten, fast klaustrophobischen Farben ein.
Fazit: Zäh, aber zutiefst lohnend
The Death of Robin Hood macht es seinem Publikum nicht leicht. Sarnoski verweigert sich beharrlich genreüblichen Konventionen und verlangt den Zusehenden mit einem äußerst gemächlichen Pacing in der zweiten Hälfte einiges an Geduld ab. Wer sich jedoch auf die philosophische Schwere, die unnachgiebige Dunkelheit und das brillante Schauspielduo einlässt, erlebt eine mutige, visuell berauschende Dekonstruktion. Es ist ein faszinierender Abgesang auf das Heldentum – und ein Film, der seinen Mythos ebenso liebevoll wie schonungslos zu Grabe trägt.
Wertung: 8 / 10
Sony hat die neuen Inklusiv-Spiele für PS-Plus-Abonnenten im Juli bekannt gegeben. Neben dem Shooter-Schwergewicht gibt es auch Strategie und hochgelobte Indie-Kost.
Im Juli dürfen sich Abonnentinnen und Abonnenten von Sonys kostenpflichtigem Onlinedienst PlayStation Plus wieder über spielerischen Nachschub freuen. Das Aushängeschild des aktuellen Monats ist dabei unbestreitbar "Call of Duty: Modern Warfare III". Der Ego-Shooter aus dem Hause Activision wird in der Cross-Gen-Edition (für PS4 und PS5) zur Verfügung gestellt. Damit können sich Spieler sowohl in die rasante Kampagne als auch in die gewohnt populären Multiplayer-Gefechte stürzen.
Wer es lieber taktischer angeht, wird mit "For The King II" bedient. Das Strategiespiel mit starken Tabletop- und Rollenspielelementen lässt sich hervorragend im Koop-Modus spielen und schickt Abenteurer in rundenbasierte Kämpfe gegen ein tyrannisches Regime.
Komplettiert wird das monatliche Trio durch den Indie-Hit "CrossCode". Das Action-Rollenspiel im charmanten 16-Bit-Retro-Look erfreut sich bei Kritikern wie Spielern großer Beliebtheit. Es besticht durch ein flottes Kampfsystem, knackige Rätsel und eine clevere Sci-Fi-Story. Auch diese beiden Titel sind sowohl für die PlayStation 4 als auch für die PlayStation 5 verfügbar.
Wert von über 120 Euro
Laut dem japanischen Konsolenhersteller repräsentieren die drei Spiele dieses Monats einen Gegenwert von "über 120 Euro". Um die Titel der eigenen Spielebibliothek hinzuzufügen, wird mindestens das Basis-Abonnement "PlayStation Plus Essential" benötigt. Selbstverständlich stehen die Spiele auch jenen zur Verfügung, die die teureren Tarife "Extra" oder "Premium" abonniert haben.
Sobald die Titel einmal beansprucht und der eigenen Bibliothek hinzugefügt wurden, bleiben sie spielbar, solange ein aktives PlayStation-Plus-Abonnement besteht.
Es ist ein mutiges, geradezu revolutionäres Bild, das sich dem Kinopublikum in den ersten Minuten bietet: Die Cousine des ewig strahlenden Superman, Kara Zor-El, sitzt desillusioniert in einer schäbigen Alien-Spelunke, betrinkt sich hemmungslos an außerirdischem Schnaps und trauert. Der DC-Blockbuster Supergirl (basierend auf Tom Kings Comic-Meisterwerk Woman of Tomorrow) verabschiedet sich furios von der aseptischen Heldenerzählung vergangener Dekaden. Regisseur Craig Gillespie (I, Tonya) serviert stattdessen einen visuell berauschenden, emotional tiefschürfenden Space-Western, der jede Minute seiner Laufzeit fesselt.
Das unangefochtene Herzstück dieser kosmischen Odyssee ist Milly Alcock. Die australische Schauspielerin, die in House of the Dragon bereits aufhorchen ließ, spielt Kara nicht als entrückte Halbgöttin, sondern liefert eine schauspielerische Offenbarung. Ihre Supergirl ist zerrissen, traumatisiert und herrlich unangepasst. Als die dreizehnjährige Ruthye (eine echte Entdeckung: Eve Ridley) an sie herantritt, um blutige Rache an dem Weltraumpiraten Krem zu fordern, entfaltet sich ein Roadtrip von beispielloser erzählerischer Wucht. Die Chemie zwischen der lakonischen Heldin und dem rachsüchtigen Teenager erzeugt eine regelrechte cineastische Magie. Gemeinsam reisen sie durch eine Galaxis, die in ihrer rohen, dreckigen Ästhetik auf bestmögliche Weise an Endzeit-Epen à la Mad Max erinnert.
Brillanter Antagonist und perfekte Inszenierung
Wo andere Genre-Vertreter chronisch schwächeln, brilliert Supergirl ausnahmslos. Matthias Schoenaerts verleiht dem Bösewicht Krem eine enorm bedrohliche, physische Präsenz. Er verkommt nie zu einem formelhaften CGI-Schurken aus der Retorte, sondern bleibt ein greifbarer, faszinierend abgründiger Antagonist, der die emotionale Fallhöhe des Films bis zum fesselnden Finale stetig steigert.
Auch auf technischer Ebene setzt der Film Maßstäbe. Die Verschmelzung aus herrlich handgemachten Sets, detailverliebtem Creature-Design und makellosen visuellen Effekten kreiert fremdartige, lebendige Welten. Hier wirkt nichts künstlich; jeder staubige Planet, jede schummrige Raumhafen-Kneipe atmet Geschichte und Atmosphäre. Dazu kommt ein perfekt getaktetes Pacing: Mit kompakten 108 Minuten Laufzeit ist das Werk meisterhaft entschlackt – es gibt keine Sekunde Leerlauf, keinen überflüssigen Subplot. Jeder Schnitt sitzt.
Fazit:
Supergirl ist letztlich nicht weniger als ein Triumph. Ein Film, der die raue Tonalität eines Westerns virtuos mit der Brillanz großen Sci-Fi-Kinos verknüpft. Milly Alcock trägt diesen Film mit einer unfassbaren Leichtigkeit und krönt sich zur unbestrittenen neuen Königin des DC-Universums. Ein visuell wie erzählerisch makelloses Meisterwerk und schon jetzt ein moderner Klassiker.
Wertung: 10 / 10
