Samstag, 7. Februar 2026

Gefühlskino für die Ohren: Das „Immersive String Quartet“ bittet zum auditiven Bad - The Immersive Concert - Love Edition


Manchmal muss man die Komplexität der Welt einfach vor der Tür lassen. In einer Zeit, in der der Alltag oft laut und fordernd ist, wirkt das Konzept des „Immersive String Quartet“ wie eine fast therapeutische Gegenbewegung. Die Idee: Man nehme vier klassisch ausgebildete Musiker, setze sie in einen Raum, der zur 360-Grad-Leinwand wird, und lasse sie jene Lieder spielen, die das kollektive Gedächtnis der letzten 40 Jahre prägen.


​Was auf dem Papier nach einem gewagten Spagat zwischen Hochkultur und Mainstream klingt, entpuppt sich beim Lokalaugenschein als überraschend stimmiges Gesamtkunstwerk.

Entschlackter Bombast

Die Setlist der „Love Edition“ liest sich wie das Destillat einer gut sortierten Plattenkiste großer Gefühle: Von Metallicas „Nothing Else Matters“ bis zu Lady Gagas „Shallow“. Doch wer nun Kitsch fürchtet, wird eines Besseren belehrt. Das Quartett schafft es, diesen Songs den oft überladenen Studio-Bombast zu nehmen und sie auf ihren harmonischen Kern zurückzuführen.

​Wenn das Cello die tragenden Basslinien von Aerosmith übernimmt und die Geigen sich in Ed Sheerans Melodiebögen hineinlegen, entsteht eine Intimität, die im Original oft vom Schlagzeug überdeckt wird. Es ist Popmusik, übersetzt in die Sprache der Klassik – handwerklich präzise, aber mit jenem nötigen Schuss Leidenschaft, der den Funken auf das Publikum überspringen lässt.

Visuelle Seelenmassage

Das Attribut „immersiv“ ist in der heutigen Eventkultur oft ein inflationär gebrauchtes Modewort. Hier jedoch erfüllt es seinen Zweck. Während die Musiker durch das Programm führen, verwandeln sich die Wände um sie herum. Mal ziehen digitale Wolkenfelder vorbei, die an die Ästhetik von William Turner erinnern, mal regnet es sanfte Lichtkaskaden oder ein Sternenhimmel breitet sich aus.


​Diese visuelle Untermalung drängt sich nicht auf, sie begleitet. Sie schafft einen Raum, in dem das Auge wandern darf, während das Ohr zuhört. Es ist diese Kombination aus visueller Ruhe und akustischer Vertrautheit, die den Abend zu einer Art Seelenmassage macht. Man beobachtet im Publikum Paare, die die Köpfe zusammenstecken, und Freundesgruppen, die bei den ersten Takten von Cyndi Laupers „Time After Time“ wissend lächeln.
​Ein demokratischer Zugang zur Klassik

Vielleicht ist das die größte Stärke dieses Formats: Es holt die Streichmusik aus dem Elfenbeinturm. Man muss hier nicht wissen, wann man klatschen darf oder wie eine Sonatenhauptsatzform aufgebaut ist. Man darf einfach fühlen. Das „Immersive String Quartett“ beweist, dass gute Musik keine Genregrenzen kennt – und dass ein Cello sehr wohl rocken kann.

​Ein Abend, der lange nachhallt und zeigt, dass Romantik in Wien durchaus modern interpretiert werden kann.