Drama, Action, Abenteuer
Die Rückkehr der Muskelmänner: Ein Spagat zwischen Feuilleton und Fankult
Der He-Man-Reboot von Travis Knight hievt Nicholas Galitzine nach Eternia. Das Fantasy-Spektakel spaltet das Publikum: Während die Kritik mit der tonalen Unsicherheit hadert, feiern Enthusiasten eine triumphale Wunscherfüllung.
Dass Hollywood in seiner ungebremsten Nostalgie-Verwertung vor rein gar nichts zurückschreckt, ist ein ungeschriebenes Gesetz der Gegenwart. Doch dass ausgerechnet Mattels archaischer Muskelprotz He-Man, der in den 1980er-Jahren primär als Vorwand zur Vermarktung von Plastikfiguren diente, nun abermals als Action- und Fantasy-Epos aufersteht, besitzt eine ganz eigene Dynamik. Regisseur Travis Knight unternimmt den gewagten Versuch, jener absurd überzeichneten Welt namens Eternia eine unerwartete emotionale Gravitas einzuhauchen.
Das Resultat ist ein faszinierend zweigeteiltes Werk. Einerseits liefert der Film optisch enorme Schauwerte. Wenn Prinz Adam – gespielt von Nicholas Galitzine, der hier das mächtige Zauberschwert schwingt – nach fünfzehnjährigem Exil auf der Erde in seine Heimat zurückkehrt, um Lord Skeletor vom Thron zu stoßen, erstrahlt das Set-Design in opulenter Pracht. Knight verlässt sich glücklicherweise auf haptische Kulissen und visuell durchdachte Welten statt auf sterile digitale Effekte.
Skeletor im Method-Acting-Wahn
Wo das Auge sich an den ausufernden Schwert-und-Magie-Choreografien sattsehen darf, wird der erzählerische Faden jedoch arg strapaziert. Das Skript, an dem gleich vier Autoren (darunter David Callaham) mitgewirkt haben, klaubt sich die Versatzstücke aus der eigenen Trash-Historie zusammen, ohne immer einen konsistenten, modernen Tonfall zu treffen.
Besonders deutlich wird dies bei der Besetzung des Antagonisten. Jared Leto, der Lord Skeletor verkörpert, pflügt mit einem derartigen Furor durch die Szenerie, dass das restliche Ensemble (darunter Camila Mendes und Alison Brie) streckenweise an den Rand gedrängt wird. Letos Interpretation des Totenkopf-Schurken schwankt unentschlossen zwischen Shakespearescher Tragödie und purer Camp-Ästhetik.
Die Rettung durch die Nostalgiebrille
Lässt man den analytischen Zynismus jedoch vor der Kinotür und betrachtet das Spektakel rein als Fan, wandelt sich das Bild grundlegend. Wer als Kind mit Battle Cat durch das Wohnzimmer geritten ist und bei jedem Gewitter „Bei der Macht von Grayskull!“ rufen wollte, bekommt von Travis Knight genau jene bombastische Liebeserklärung serviert, auf die man jahrzehntelang gewartet hat.
Die vermeintlichen Schwächen des Drehbuchs verblassen dann rasch angesichts der schieren Detailverliebt- und Freude, mit der das ikonische Design von Castle Grayskull zum Leben erweckt wird. Aus dieser Perspektive passt selbst Jared Letos exaltiertes Overacting perfekt zu einem Schurken, der im Original schließlich ein schreiendes Skelett in lila Rüstung war. Knight liefert kein tiefschürfendes Programmkino, sondern eine laute, bunte und herrlich kompromisslose Zeitreise in die eigene Kindheit, die für Enthusiasten eine klare Höchstwertung rechtfertigt.
Wertung: 9 / 10
_546px.jpg)


_500px.jpg)



















.jpg)








.png)