Action Abenteuer
Kein Sherwood-Glamour, keine heldenhafte Umverteilung: Regisseur Michael Sarnoski dekonstruiert in "The Death of Robin Hood" den wohl berühmtesten englischen Volksmythos. Hugh Jackman glänzt in diesem bleischweren A24-Drama als gebrochener Mörder, der seiner eigenen Legende nicht mehr entkommen kann.
Die Demontage des Meisterdiebes
Wer bei Robin Hood unweigerlich an den charmanten Errol Flynn, an Kevin Costners popkulturellen Bogenschützen oder gar an unbeschwerte Strumpfhosen denkt, wird in Michael Sarnoskis Neuinterpretation eine abgründige Überraschung erleben. Der Regisseur, der bereits mit dem fabelhaften Trüffelschwein-Drama Pig bewies, wie man Erwartungshaltungen grandios unterläuft, setzt auch hier auf konsequente Entmythisierung. Sein Robin Hood (Hugh Jackman) ist kein edler Rebell, sondern ein vom Krieg gezeichneter, desillusionierter Zyniker.
Nach einem Leben voller Gewalt, das in einer brutalen, fast schon unerträglich rohen Eröffnungssequenz gipfelt, findet sich der gealterte Antiheld schwer verwundet wieder. Der Sherwood Forest ist hier kein romantischer Rückzugsort, sondern ein unwirtliches Fegefeuer, in dem die Geister der Vergangenheit lauern. Die erzählerische Fallhöhe ergibt sich nicht aus dem Kampf gegen einen fiesen Sheriff, sondern aus Robins Ringen mit den eigenen Taten. Die Geschichten über den Beschützer der Armen entlarven sich als nachträgliche Verklärung einer blutigen Realität.
Kammerspiel zwischen Schmutz und Sühne
Inszenatorisch wagt Sarnoski im zweiten Akt einen radikalen Bruch. Wenn die mysteriöse Schwester Brigid (Jodie Comer) den sterbenden Mann rettet und in ihre Obhut nimmt, wandelt sich der düstere Historienthriller zu einem meditativen Kammerspiel. Die opulenten Schauwerte weichen langen, exzellent geschriebenen Dialogen, in denen die Lebenslügen der Titelfigur seziert werden.
Hier wird der Film zu einer schauspielerischen Tour de Force. Hugh Jackman nimmt sich völlig zurück. Sein testosterongeladenes Auftreten aus Wolverine-Zeiten ist einem tiefen, resignierten Verfall gewichen – eine rohe, zutiefst verletzliche Darbietung, die zu den stärksten seiner Karriere zählt. Jodie Comer bildet dazu ein fulminantes moralisches Gegenwicht. Sie ist es, die dem Film in seiner erdrückenden Schwere emotionale Bodenhaftung verleiht. Auch die Bildsprache der A24-Produktion überzeugt: Die Kameraarbeit fängt die schmutzige, raue englische Landschaft in verblassten, fast klaustrophobischen Farben ein.
Fazit: Zäh, aber zutiefst lohnend
The Death of Robin Hood macht es seinem Publikum nicht leicht. Sarnoski verweigert sich beharrlich genreüblichen Konventionen und verlangt den Zusehenden mit einem äußerst gemächlichen Pacing in der zweiten Hälfte einiges an Geduld ab. Wer sich jedoch auf die philosophische Schwere, die unnachgiebige Dunkelheit und das brillante Schauspielduo einlässt, erlebt eine mutige, visuell berauschende Dekonstruktion. Es ist ein faszinierender Abgesang auf das Heldentum – und ein Film, der seinen Mythos ebenso liebevoll wie schonungslos zu Grabe trägt.
Wertung: 8 / 10

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