Sonntag, 17. Mai 2026

Filmkritik: „Ready or Not 2“: „Ready or Not 2“: Ein herrlich makabres Schlachtfest der Elite



Das Regie-Duo Radio Silence legt nach: Die Fortsetzung des Horror-Hits schickt Samara Weaving und Kathryn Newton in einen blutigen Überlebenskampf gegen einen weltumspannenden satanischen Kult. Ein visuell opulenter und bitterböser Abgesang auf die Superreichen.


Dass Horror-Fortsetzungen oft daran kranken, den Charme des Originals durch bloße Quantität ersetzen zu wollen, ist eine Binsenweisheit des Kinos. Mehr Blut, mehr Opfer, weniger erzählerischer Subtext. Das Regie-Kollektiv
Radio Silence (Matt Bettinelli-Olpin und Tyler Gillett) umschifft diese kreative Klippe in „Ready or Not 2: Here I Come“ jedoch mit einer choreografierten Eleganz, die im modernen Mainstream-Horror selten geworden ist.

Stand im Zentrum des Erstlings von 2019 noch die panische Flucht der frisch vermählten Grace (Samara Weaving) vor ihrer mörderischen Schwiegerfamilie, dehnt das Sequel die Mythologie nun genüsslich aus. Wie das furiose Filmposter mit seiner blutroten, von Kerzenschein erleuchteten Ästhetik bereits erahnen lässt, beschränkte sich der teuflische Pakt keineswegs auf eine einzige amerikanische Brettspiel-Dynastie. Die Handlung knüpft nahtlos an: Grace wird in einen weitaus größeren, globalen Machtkampf um den Thron eines elitären Rates hineingezogen. An ihrer Seite: ihre entfremdete Schwester Faith (Kathryn Newton), die dem blutigen Treiben – passend zur auf dem Plakat platzierten Kaugummiblase – mit einer wunderbar rotzigen Respektlosigkeit begegnet.


Klassenkampf mit Schrotflinte und Morgenstern

Das ist nicht nur narrativ eine konsequente Weiterentwicklung, sondern erlaubt dem Film auch eine spitzzüngige Milieustudie. Wurde der obszöne Reichtum im ersten Teil noch als exzentrische Marotte karikiert, wird er hier als weltumspannendes, parasitäres System entlarvt. Der Klassenkampf wird wörtlich genommen, und das Drehbuch zielt zielsicher auf die Arroganz jener Eliten ab, die glauben, sich mit genügend Kapital von jeglichen moralischen – und sterblichen – Konsequenzen freikaufen zu können.

Dafür versammelt der Film ein formidables Ensemble, das sich nahtlos in die comichaft überzeichnete Welt einfügt. Sarah Michelle Gellar als durchtriebene Ursula Danforth mit gezücktem Revolver und Shawn Hatosy mit blutigem Morgenstern liefern sich ein absurdes Wettrüsten. Elijah Wood glänzt als diabolischer "Anwalt" der Familien mit Regelwerk unterm Arm, während Körperhorror-Legende David Cronenberg als Patriarchen-Fossil die aristokratische Fäulnis schon fast physisch greifbar macht.



Opulenz trifft auf Gemetzel

Ästhetisch ist der Film ein Triumph der Kontraste. Die Kameraarbeit fängt die dekadente Welt der rivalisierenden Familien in warmen, trügerisch heimeligen Goldtönen ein – ein visueller Pomp, der in herrlich absurdem Widerspruch zu den ausufernden Splatter-Einlagen steht. Wenn antikes Interieur im Hagel von Schrotflinten-Salven und Sturmgewehren zersplittert, wohnt dem eine geradezu anarchische Katharsis inne.

Getragen wird dieses blutrünstige Kammerspiel erneut von Samara Weaving, die sich endgültig als eine der versiertesten "Scream Queens" ihrer Generation etabliert. Ihr Wechselspiel aus traumatisierter Überlebender und abgebrühter Jägerin im blutroten Spitzenkleid gerät nie zur flachen Rache-Fantasie. Stattdessen verleiht sie ihrer Figur eine rauchige, fast schon stoische Resignation gegenüber der Absurdität ihrer Situation.



Fazit

„Ready or Not 2“ ist ein morbid-vergnüglicher Abgesang auf das „Old Money“, der den Spagat zwischen pechschwarzer Komödie und nervenzerfetzendem Action-Thriller mühelos meistert. Ein cineastisches Festmahl, das dem strapazierten Slogan „Eat the Rich“ eine ganz neue, herrlich makabre Note verleiht. Pünktlich zum Kinostart wird hier das Zwerchfell ebenso strapaziert wie das Nervenkostüm.

Wertung: 9/10