Donnerstag, 26. März 2026

Der Rausch im Rhythmus des Zelluloids: „Marty Supreme“ - Filmkritk


Kinostart: 26.02.2026
Genre: Komödie, Drama
Filmdauer: 2h 31m


In seinem ersten Solo-Film schickt Regisseur Josh Safdie einen furiosen Timothée Chalamet an die Tischtennisplatte. Ein virtuos inszenierter Fiebertraum über Obsession, Ego und den amerikanischen Traum der 1950er-Jahre.

Es gibt Regisseure, die das Kino als Ort der Kontemplation begreifen. Und dann gibt es Josh Safdie. Gemeinsam mit seinem Bruder Benny hat er in Filmen wie Uncut Gems (Der schwarze Diamant) das Kino der permanenten Panikattacke perfektioniert. Nun, auf Solopfaden wandelnd, drosselt Safdie in Marty Supreme scheinbar das Tempo – nur um die nervöse Energie seiner Figuren in die klaustrophobische Arena einer Tischtennisplatte zu verlagern.


Der Habitus des Getriebenen

Lose basierend auf der Biografie der New Yorker Ping-Pong-Legende Marty Reisman, entwirft Safdie ein US-Sittenbild der 1950er-Jahre, das weit entfernt ist von der pastellfarbenen Vorstadt-Nostalgie, die diese Dekade sonst oft im Kino prägt. Im Zentrum steht Timothée Chalamet als titelgebender Marty. Chalamet, dessen androgynes Charisma ihn längst zur globalen Chiffre für verletzliche Männlichkeit gemacht hat, legt hier eine kantige, beinahe physisch schmerzhafte Performance hin. Sein Marty ist ein Getriebener, ein Savant des Zelluloidballs, der hinter seiner dicken Brille und den maßgeschneiderten Hemden eine tiefe, fast autistische Isoliertheit verbirgt.


Wenn Marty den Schläger hält, wird der Film zum Ballett. Die Kameraarbeit fängt die rasante Kinetik des Sports nicht wie eine ESPN-Übertragung ein, sondern wie einen psychologischen Zweikampf. Jeder Topspin ist eine Beleidigung, jeder Schmetterball eine Existenzbehauptung.

Ein absurdes, aber geniales Ensemble

Der wahre Coup von Marty Supreme liegt jedoch nicht nur in der audiovisuellen Brillanz (das ständige Klick-Klack des Balls fungiert als manischer Metronom-Takt des Films), sondern in Safdies exzentrischem Casting. Gwyneth Paltrow kehrt in einer Nebenrolle auf die Leinwand zurück und verleiht dem Film eine eisige, aristokratische Gravitas, die wunderbar mit dem schweißgetränkten New Yorker Untergrund kontrastiert. Noch überraschender: Musiker Tyler, the Creator, der in seinem Schauspieldebüt eine so natürliche Präsenz mitbringt, dass man sich fragt, warum er nicht längst für das Kino entdeckt wurde.


Fazit

Marty Supreme ist ein Film über die fatale amerikanische Illusion, dass absolute Meisterschaft zwangsläufig zu absolutem Glück führt. Safdie dekonstruiert den klassischen Sportfilm und liefert stattdessen eine fiebrige Milieustudie. Ein Triumphzug für Chalamet und der endgültige Beweis, dass Josh Safdie auch als Solo-Akteur zu den wichtigsten Stimmen des US-Gegenwartskinos zählt.

Wertung: 9/10